Schloss Burgscheidungen - historische Ansicht

Schloss Burgscheidungen 

Das Unstruttal

Umgeben von Weinbergen erstreckt sich das Unstruttal im Süden Sachsen-Anhalts in einer Jahrhunderte alten Kulturlandschaft. Zwischen Freyburg und der Domstadt Naumburg mündet der Fluss in die Saale.

 

Das Schloss Burgscheidungen

Ganz in der Nähe der Glockenstadt Laucha liegt das malerische Dorf Burgscheidungen. Auf einer Anhöhe erhebt sich das gleichnamige Schloss . Eine überdimensionale Terrassen-Anlage verleiht dem Schloss eine majestätische Anmutung, die kilometerweit zu sehen ist.

 

Die Geschichte

Die ursprüngliche Burg ist nicht mehr erhalten. Um 531 soll hier die Schlacht zwischen Thüringen, Franken und Sachsen stattgefunden haben, die den Untergang des thüringischen Königreichs besiegelte. Die Aufteilung des Reiches, also die Scheidung, soll dem Ort zu dem Namen Burgscheidungen verholfen haben. 874 tauchte der Ort wieder in Dokument auf – in einer Aufstellung der Orte, die dem Kloster Fulda abgabenpflichtig waren. Kurz Zeit später wurde Burgscheidungen von Heinrich I. zur Reichsburg erhoben. 952 überließ Otto der Große den Ort Markgraf Hermann Billung. 1043 schenkte Heinrich III. es als Morgengabe seiner Gattin, die ihr Besitztum später nach der unruhigen Lebenszeit an Bischof Hermann von Bamberg übergab. Es folgten mehrere Besitzerwechsel, ehe im Jahre 1628 die anhaltische Familie von Hoym das Anwesen erwarb. Aus dieser Zeit ist eine Episode überliefert, nach der Anna Konstantia von Brockdorff Burgscheidungen als Wohnsitz zugewiesen worden war, um sie vor dem frivolen Leben am Hofe des Augusts des Starken zu schützen. Mit ihm ging Graf von Hoym eine Wette ein. Seine Frau überträfe an Schönheit alle Damen des Dresdner Hofes. Zwar gewann der Graf die Wette, doch verlor er seine Frau an August den Starken. Hernach wurde sie von Kaiser Joseph I. zur Gräfin Cosel erhoben.
Die Anlage kam durch einen Tausch im Jahre 1714 in den Besitz von Feldmarschall Graf von Flemming, der es wenige Jahre später wieder an den Oberamtsmann Konrad W. Wedemeyer verkaufte. Dieser überließ Burgscheidungen dem sardinischen Feldzeugmeister Freiherrn Levin Friedrich von der Schulenburg, dessen Nachfahren den Besitz bis zum Sommer 1945 bewirtschafteten. Nach 1956 nutzte die ostdeutsche CDU das Schloss bis 1990 als Schulungsstätte. Seit wenigen Jahren ist das Schloss und Park in Privatbesitz und gehört Bernd & Tina Artinger.

 

Der Bau des Schlosses

Das Schloss Burgscheidungen zeichnet sich durch eine gut erhaltene Substanz aus, die einen einmaligen kunsthistorischen Einblick gewährt. Bis zum Bau der zweiflügeligen Schlossanlage gab es vermutlich schon verschiedene Umbauten, deren Belege allerdings im Dreißigjährigen Krieg verloren gingen. Fortan besteht das Schloss aus vier Flügeln und einem Wirtschaftsgebäude mit Torhaus, das wahrscheinlich noch aus romanischer Zeit stammt. Die Flügel des Schlosses fügen sich zu einem Komplex von 56 x 50 Meter, der Innenhof misst 29 x 23 Meter. Das älteste Mauerwerk wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Weitere Anbauten folgten im 15. und 16. Jahrhundert. Freiherr Levin Friedrich von der Schulenburg verpflichtete den Leipziger Baumeister David Schatz, um schließlich den Neubau eines Barockschlosses vornehmen zu lassen. Dafür wurden zwei alte Flügel abgebrochen. Ab 1724 begann der Neubau. Die Maurer traten 1726 mit auf den Plan, wie auch der aus Altenburg stammende Bildhauer Joseph Blühme. Für den großen Festsaal wurde der Stuckateur Christian Haase angestellt. Als 1728 Levin Friedrich starb, ließ sein Neffe, der den Grafentitel geerbt hatte, den Bau vollenden.
Der zweigeschossige Südflügel bildet nun Eingang zum inneren Schlosshof befindet. Das doppeltürige Portal, dessen rechtes Teil jedoch blind ist, wird von toskanischen Säulen flankiert und trägt einen Balkon, der neben dem Dacherker die Mittelachse betont. Im Gebäudeinneren führt die drei läufig angelegte Haupttreppe zum Festsaal in das Obergeschoss. Das Steingeländer ziert steinerne Vasen. Um 1950 wurde das Deckengemälde im Treppenhaus wegen der dringenden Dacharbeiten leider aufgegeben.
In dem an den Park grenzenden Ostflügel ist die Gestaltung noch erhalten. An der Hofseite sind drei Mittelachsen durch ein Risalit hervorgehoben. Die Durchbrechung an der Parkseite ist noch eindrucksvoller: Es ist die Prachtfassade von allen Flügeln. Sie ist mit einem plastischen Dachgiebel und dem geschwungenen Balkon geschmückt. Dahinter erstreckt sich der auf einer Fläche von Festsaal von 188 Quadratmetern. Je drei hohe Fenster zu Hof und Park gliedern die Wände. Zwei weitere Wände sind mit Kaminen, Pilastern und Spiegeln versehen. Der üppige Reliefschmuck entfaltet sich um das freie Deckenfeld herum, mit den militärischen Symbolen als Standeszeichen des Bauherrn. Die geplante Ausmalung der Deckengemälde wurde allerdings nicht ausgeführt. In den Parkettfußboden ist in der Mitte eine große Rosette eingefügt worden. Vier Türen stehen genau gegenüber, die zu den Durchgangsräumen führen, welche ebenfalls Stuck und Kaminen geschmückt sind.

 

Der Park

Baumeister David Schatz wurde auch damit betraut, den Park anzulegen. Mit dem dritten Entwurf konnte er seine Pläne verwirklichen. Der Freiherr Levin Friedrich hatte in Turin einem sardinischen König jahrelang als Feldzeugmeister gedient. Das italienische Flair wollte er auch in Burgscheidungen erleben. David Schatz gelang es, am steilen Hang zwischen dem Schloss und Park eine typische italienische Terrasse anzulegen. Die Wege wurden im Zickzack angebahnt, die zwölf Sandsteinstatuen des Bildhauers Joseph Blühme säumten. Sie stellen die zwölf Monate in Verbindung mit den entsprechenden Tierkreiszeichen dar. Ihre derbe Qualität soll Levin Friedrich in Rage gebracht haben. Heute sind noch elf Statuen erhalten. In der Mitte der angelegten Terrasse befindet sich eine Grotte, deren Vorbild die Versailler Thetisgrotte war. Ab 1830 wurde sie aber als Familiengruft genutzt. Aus diesen Gründen bleibt der Eingang zur Grotte bis heute verschlossen.
Der untere Teil des Parks bestand ursprünglich aus einem sechsteiligen, französisch anmutenden Parterre, das von zwei lang gestreckten Wasserbecken und einem Bassin mit Fontäne durchtrennt war. Die Zierbeete aus Buchs, Rasenflächen, Blumenrabatten sowie die Wege mit vermutlich farblich gekalktem Kies bildeten den Schwerpunkt des Parks. Ihn umschlossen zwei Kanäle, während ein links angelegter Obstgarten ihn abgrenzte. Um 1800 wurde der Park – der Mode folgend - zu einem englischen Landschaftspark umgestaltet. Eine Ruine des ehemaligen Gartenpavillons steht noch, um den sich vier weitere Sandsteinstatuen gruppieren. Auf der Anhöhe des Schlosses befindet eine schmale Anlage, die früher Esplanade hieß. Auch sie wurde allerdings im englischen Stil umgestaltet.

Mit Recht gehört das Schloss Burgscheidungen mit seinem Park zu den schönsten und gut erhaltenen Anlagen in Deutschland. Seit wenigen Jahren wurde sie in das Projekt Gartenträume in Sachsen-Anhalt aufgenommen.