"Zanken Sie mich.."
Zanken Sie mich, meine liebe, gute Gräfin von***, nicht aus, wenn ich Ihnen an dieser Stelle verkünde: Sie haben eine herrliche, wunderbare und erstaunliche Szenerie am 27. Juli 2002 wirklich verpasst! Welch eine Szenerie, die man sich besonders in unserer Gegenwart nur schwer vorzustellen vermag! Bisher suchte ich Worte, die Ihnen von der Szenerie ein Bild machen, nur vergeblich. Mir scheint, als ob ich immer noch glattweg davon sprachlos wäre. Lachen Sie mich nur aus, wenn Sie wollen! Machen Sie sich über mich lustig!
Was mich nun betrifft, so muss ich Sie richtig beneiden, nur weil Sie nichts von dem Ereignis ahnen, was Sie vor Leere, die mir bereits widerfahren ist, schützt. Sie wissen, wer etwas Besonderes oder Traumhaftes erlebt, empfindet nach dem Ende oft die gewisse Leere, nicht wahr? Mache ich Sie darauf neugierig? Sind Sie ungeduldig? Wollen Sie darauf bestehen, es endlich zu erfahren? Kurz und gut: Ich möchte mit Ihnen gnädig verfahren, indem ich Ihnen von unserem Sonnenball zu Schloss Nischwitz zu erzählen versuche.
Sie kennen Madame de Sévigné, die sich einmal über den Luxus, der alles verschlingt, beklagt hatte. Der Luxus lässt das Notwendige in den Hintergrund treten. Ich sage nicht – Gott behüte! -, dass wir uns hätten fast von der Vergnügungssucht mitreißen lassen, nachdem wir uns von unserem Sonnenball bezaubert fühlten. Ich wette sogar, mit dem vielbewunderten, schönen Fest, das auf Schloss Vaux le Vicomte einmal stattfand, was den Sonnenkönig vor Neid und Misstrauen erblassen ließ, können wir unseren Sonnenball ermessen!
Am Nachmittag des 27. Juli trafen Marschallin de***und ich auf Schloss zu Nischwitz ein, wo wir bereits viele Gäste überall in den schönen Sälen und im Park promenieren sahen. Alles befand sich in großer Toilette. Man bewunderte viele Damen an der Seite ihrer Herren. Fast haben mich einige Damen im großen Dekolleté über mein Geschlecht erröten lassen. Welch prächtige Galaroben und Phantasieroben! Man schmückte die Frisur mit Blüten, Schleifen und Bändern. Der Frühling im weißgepuderten Haar erzeugte den wahren Zauber, der das männliche Herz höher schlagen ließ. Ach, was habe ich auch neben den Grazien, die wir unsere Damen nennen, entdeckt: Die Herren waren mit dem prächtigen Kostüm ausgestattet. Die stolzen Herren, die sich zu übertreffen versuchten, die das schwache Geschlecht erbeben ließen. In diesem Augenblick hat es mich zutiefst amüsiert, mitanzusehen, wie unsere armen Frauen die Augen nicht aufzuschlagen wagten.
Sie ersehen nun aus den Zeilen, dass unsere Gäste die schöne Kulisse vor dem Schlosse bildeten – die Pracht ihrer selbst vereinte sich wunderbar mit der des Schlosses!
Kennen Sie die gewisse Neuberin, die die Hanswürste und Scharlache aus unserem Land zu verdrängen versucht? Sie hat uns zu unserer angenehmen Überraschung ihre Aufwartung gemacht. Es wurde uns ein kleines Theater vorgestellt, das uns im Schlosspark nachdenklich machte, erheiterte und fürwahr zum Lachen brachte. Darauf hielten unsere gnädigen Gastgeber Einzug im Park: Sie haben den Sonnenball mit der Zeremonie in Begleitung der Musik eröffnet. Wir sahen sie ganz in Rot und Gold. Sie tanzten anmutig. Ich vermag Ihnen nicht zu beschreiben, wie einzigartig schön sich das Bild hervorhebt. Sie verkörpern ihre Rollen, als hätten sie nie etwas anderes getan!
Meine beste Gräfin, ich bedaure Sie trotz der Gefahr nochmals, wenn ich Ihnen jetzt sage: Wir kennen Ihre große Vorliebe für den Tanz. Im Park begann nun der Probetanz für uns alle – die Musik des Menuetts entlockte uns die Versuchung mitzutanzen. Jedes Körperteil schien zu zucken! Was mich auch erstaunte, ist, dass Gräfin***und ihr Graf aus Berlin es sich trotz ihres gewissen Alters nicht nehmen ließen, mitzutanzen. Sie zeigten es mit Anmut und Würde, wofür wir immer wieder Beifall klatschten!
Alles verlief so angenehm, wie man sich denken kann. Die Sonne machte uns alle Ehre, auch wenn sie mit viel Dampf heizte. Wie ich bereits hörte, einige mussten sich über die Hitze beklagen. Sie, meine liebe Gräfin, würden sich meiner Meinung anschließen, dass es doch zum guten Ton gehört, sich etwas darüber zu beklagen!
Als es Abend wurde, kurz nach dem kleinen Konzert im Gartensaal, eröffnete man im großen Jagdsaal das herrliche Buffet mit Tafelmusik. Wirklich kam mir der Verdacht, dass unser seliger Vatel, der einstige Haushofmeister des Prinzen Condé, in Gestalt eines Geistes unseren armen Köchen zur Unterstützung beigestanden haben musste. Das Buffet war der wahre Höhepunkt des Sonnenballes, das uns die Sprache verschlug! Erlesene Speisen, darunter riesige, geräucherte Lachse, Forellen und Heringe sowie Hunderte von Wachteln und kleine Schweinebraten. Salate, Obst und Gemüse, nicht zuletzt Käse verschiedener Sorten. Stellen Sie sich vor, dass ein ganzes, knuspriges Schwein am Spieß unten im Park auf uns wartete! Sekt und Weine flossen in Strömen, gutes Wasser und Säfte stillten den Durst. Frisch gezapftes Bier vom Fass wartete auf das männliche Geschlecht – ich muss aber gestehen, dass einige Damen sich keinen Gedanken machten, indem sie die Maß Bier in einem Zug austranken! Wollen wir dabei das Auge zudrücken, nicht?
Nachdem wir uns von dem großen Buffet ein wenig erholten, fühlten wir uns alle verpflichtet, uns am Balltanz im Park zu beteiligen. Während es draußen dämmerte, wurde überall illuminiert. Welch ein Effekt, den die glänzenden Messingscheiben in Form der Muschel verursachten. Sie standen in Reih und Glied um die große Tanzfläche herum. Alles erstrahlte, das Schloss erstrahlte auch. Man tanzte, man sah zu, und man klatschte Beifall. Das Schauspiel der elysischen Gefilde bot sich uns wirklich - es herrschte eitel Wonne! Um alles auch von weitem zu genießen, entschlossen Madame***und ich uns, uns in einer offenen Kutsche durch den ganzen Park ziehen zu lassen. Ach, was für ein Bild hat sich geboten! Am liebsten wollten wir uns stets in unserer Kutsche aufhalten und beim Anblick der elysischen Gefilde träumen!
Aber das nächste Programm riss uns mit sich fort: Das Theater wartete bereits auf uns im großen, prächtigen Festsaal. Auf der Bühne wurde etwas Satirisches, Erotisches und Amüsantes zugleich gespielt. Man hörte sich das Stück mit großer Aufmerksamkeit an. Man spürte viel an Esprit, Talent und Charme, was uns veranlasste, den beiden Schauspielern viel Lob zu spenden! Kaum waren wir wieder in den Park zurückgegangen, fesselte uns das nächste Schauspiel unter dem nächtlichen Himmel schon wieder! Wo bleibt nur die Verschnaufpause, die wir fast nötig haben? Kennen Sie das Schattentheater? Lieben Sie es auch? Ich für meine Person war sehr davon berührt. Die grotesken Rollen, denen wir alle in bestimmtem Abstand folgten, bewegten sich langsam vom Schlosse aus in Richtung eines weißbetuchten Pavillons. Zum Schluss bestaunten wir das Schattenspiel hinter der Wand des Pavillons, was uns viel Schauer einflößte . Die unheimlichen, beweglichen Bilder sind einfach unvergesslich! Als es zu Ende war, überraschte uns das riesige Feuerwerk…
Liebe Gräfin, vielleicht denken Sie, ich phantasiere nur? Nein, alles an dem ist wahr! Sie ersehen daraus, warum wir das Ende des Sonnenballes in aller Früh wirklich bedauerten, auch wenn wir von so vielen Eindrücken erschöpft waren.
Frau von***, die ich auf dem Sonnenball traf, hat sich nach Ihnen erkundigt. Sie sprach viel von Ihrer Güte und beauftragte mich, Ihnen ihre respektvollen Empfindungen zu vermitteln. Nehmen Sie auch die meinen entgegen. Und Sie kennen meine Gefühle für Sie.
Ganz Ihre Marquise de***
Was mich nun betrifft, so muss ich Sie richtig beneiden, nur weil Sie nichts von dem Ereignis ahnen, was Sie vor Leere, die mir bereits widerfahren ist, schützt. Sie wissen, wer etwas Besonderes oder Traumhaftes erlebt, empfindet nach dem Ende oft die gewisse Leere, nicht wahr? Mache ich Sie darauf neugierig? Sind Sie ungeduldig? Wollen Sie darauf bestehen, es endlich zu erfahren? Kurz und gut: Ich möchte mit Ihnen gnädig verfahren, indem ich Ihnen von unserem Sonnenball zu Schloss Nischwitz zu erzählen versuche.
Sie kennen Madame de Sévigné, die sich einmal über den Luxus, der alles verschlingt, beklagt hatte. Der Luxus lässt das Notwendige in den Hintergrund treten. Ich sage nicht – Gott behüte! -, dass wir uns hätten fast von der Vergnügungssucht mitreißen lassen, nachdem wir uns von unserem Sonnenball bezaubert fühlten. Ich wette sogar, mit dem vielbewunderten, schönen Fest, das auf Schloss Vaux le Vicomte einmal stattfand, was den Sonnenkönig vor Neid und Misstrauen erblassen ließ, können wir unseren Sonnenball ermessen!
Am Nachmittag des 27. Juli trafen Marschallin de***und ich auf Schloss zu Nischwitz ein, wo wir bereits viele Gäste überall in den schönen Sälen und im Park promenieren sahen. Alles befand sich in großer Toilette. Man bewunderte viele Damen an der Seite ihrer Herren. Fast haben mich einige Damen im großen Dekolleté über mein Geschlecht erröten lassen. Welch prächtige Galaroben und Phantasieroben! Man schmückte die Frisur mit Blüten, Schleifen und Bändern. Der Frühling im weißgepuderten Haar erzeugte den wahren Zauber, der das männliche Herz höher schlagen ließ. Ach, was habe ich auch neben den Grazien, die wir unsere Damen nennen, entdeckt: Die Herren waren mit dem prächtigen Kostüm ausgestattet. Die stolzen Herren, die sich zu übertreffen versuchten, die das schwache Geschlecht erbeben ließen. In diesem Augenblick hat es mich zutiefst amüsiert, mitanzusehen, wie unsere armen Frauen die Augen nicht aufzuschlagen wagten.
Sie ersehen nun aus den Zeilen, dass unsere Gäste die schöne Kulisse vor dem Schlosse bildeten – die Pracht ihrer selbst vereinte sich wunderbar mit der des Schlosses!
Kennen Sie die gewisse Neuberin, die die Hanswürste und Scharlache aus unserem Land zu verdrängen versucht? Sie hat uns zu unserer angenehmen Überraschung ihre Aufwartung gemacht. Es wurde uns ein kleines Theater vorgestellt, das uns im Schlosspark nachdenklich machte, erheiterte und fürwahr zum Lachen brachte. Darauf hielten unsere gnädigen Gastgeber Einzug im Park: Sie haben den Sonnenball mit der Zeremonie in Begleitung der Musik eröffnet. Wir sahen sie ganz in Rot und Gold. Sie tanzten anmutig. Ich vermag Ihnen nicht zu beschreiben, wie einzigartig schön sich das Bild hervorhebt. Sie verkörpern ihre Rollen, als hätten sie nie etwas anderes getan!
Meine beste Gräfin, ich bedaure Sie trotz der Gefahr nochmals, wenn ich Ihnen jetzt sage: Wir kennen Ihre große Vorliebe für den Tanz. Im Park begann nun der Probetanz für uns alle – die Musik des Menuetts entlockte uns die Versuchung mitzutanzen. Jedes Körperteil schien zu zucken! Was mich auch erstaunte, ist, dass Gräfin***und ihr Graf aus Berlin es sich trotz ihres gewissen Alters nicht nehmen ließen, mitzutanzen. Sie zeigten es mit Anmut und Würde, wofür wir immer wieder Beifall klatschten!
Alles verlief so angenehm, wie man sich denken kann. Die Sonne machte uns alle Ehre, auch wenn sie mit viel Dampf heizte. Wie ich bereits hörte, einige mussten sich über die Hitze beklagen. Sie, meine liebe Gräfin, würden sich meiner Meinung anschließen, dass es doch zum guten Ton gehört, sich etwas darüber zu beklagen!
Als es Abend wurde, kurz nach dem kleinen Konzert im Gartensaal, eröffnete man im großen Jagdsaal das herrliche Buffet mit Tafelmusik. Wirklich kam mir der Verdacht, dass unser seliger Vatel, der einstige Haushofmeister des Prinzen Condé, in Gestalt eines Geistes unseren armen Köchen zur Unterstützung beigestanden haben musste. Das Buffet war der wahre Höhepunkt des Sonnenballes, das uns die Sprache verschlug! Erlesene Speisen, darunter riesige, geräucherte Lachse, Forellen und Heringe sowie Hunderte von Wachteln und kleine Schweinebraten. Salate, Obst und Gemüse, nicht zuletzt Käse verschiedener Sorten. Stellen Sie sich vor, dass ein ganzes, knuspriges Schwein am Spieß unten im Park auf uns wartete! Sekt und Weine flossen in Strömen, gutes Wasser und Säfte stillten den Durst. Frisch gezapftes Bier vom Fass wartete auf das männliche Geschlecht – ich muss aber gestehen, dass einige Damen sich keinen Gedanken machten, indem sie die Maß Bier in einem Zug austranken! Wollen wir dabei das Auge zudrücken, nicht?
Nachdem wir uns von dem großen Buffet ein wenig erholten, fühlten wir uns alle verpflichtet, uns am Balltanz im Park zu beteiligen. Während es draußen dämmerte, wurde überall illuminiert. Welch ein Effekt, den die glänzenden Messingscheiben in Form der Muschel verursachten. Sie standen in Reih und Glied um die große Tanzfläche herum. Alles erstrahlte, das Schloss erstrahlte auch. Man tanzte, man sah zu, und man klatschte Beifall. Das Schauspiel der elysischen Gefilde bot sich uns wirklich - es herrschte eitel Wonne! Um alles auch von weitem zu genießen, entschlossen Madame***und ich uns, uns in einer offenen Kutsche durch den ganzen Park ziehen zu lassen. Ach, was für ein Bild hat sich geboten! Am liebsten wollten wir uns stets in unserer Kutsche aufhalten und beim Anblick der elysischen Gefilde träumen!
Aber das nächste Programm riss uns mit sich fort: Das Theater wartete bereits auf uns im großen, prächtigen Festsaal. Auf der Bühne wurde etwas Satirisches, Erotisches und Amüsantes zugleich gespielt. Man hörte sich das Stück mit großer Aufmerksamkeit an. Man spürte viel an Esprit, Talent und Charme, was uns veranlasste, den beiden Schauspielern viel Lob zu spenden! Kaum waren wir wieder in den Park zurückgegangen, fesselte uns das nächste Schauspiel unter dem nächtlichen Himmel schon wieder! Wo bleibt nur die Verschnaufpause, die wir fast nötig haben? Kennen Sie das Schattentheater? Lieben Sie es auch? Ich für meine Person war sehr davon berührt. Die grotesken Rollen, denen wir alle in bestimmtem Abstand folgten, bewegten sich langsam vom Schlosse aus in Richtung eines weißbetuchten Pavillons. Zum Schluss bestaunten wir das Schattenspiel hinter der Wand des Pavillons, was uns viel Schauer einflößte . Die unheimlichen, beweglichen Bilder sind einfach unvergesslich! Als es zu Ende war, überraschte uns das riesige Feuerwerk…
Liebe Gräfin, vielleicht denken Sie, ich phantasiere nur? Nein, alles an dem ist wahr! Sie ersehen daraus, warum wir das Ende des Sonnenballes in aller Früh wirklich bedauerten, auch wenn wir von so vielen Eindrücken erschöpft waren.
Frau von***, die ich auf dem Sonnenball traf, hat sich nach Ihnen erkundigt. Sie sprach viel von Ihrer Güte und beauftragte mich, Ihnen ihre respektvollen Empfindungen zu vermitteln. Nehmen Sie auch die meinen entgegen. Und Sie kennen meine Gefühle für Sie.
Ganz Ihre Marquise de***
